Wie fühlt es sich an, mit dem Fahrrad durch Malente zu fahren, wenn man unsere Gemeinde nicht kennt und die Verkehrssituation zum ersten Mal erlebt?
Vor Kurzem erreichte die Gemeinde der Brief eines Urlaubers, der mehrere Tage in Malente verbracht hat und dabei viel mit dem Fahrrad unterwegs war. Seine Bilanz fällt deutlich aus: Er beschreibt fehlende und mangelhafte Radwege, unsichere Situationen, zu hohe Geschwindigkeiten und eine Verkehrsplanung, in der Rad- und Fußverkehr aus seiner Sicht zu wenig Raum bekommen.
Viele der angesprochenen Punkte sind nicht neu. Umso interessanter finden wir den unverstellten Blick von außen. Mit Zustimmung des Verfassers veröffentlichen wir seinen Brief deshalb hier anonym und ungekürzt. Die Gemeinde hat auf die Zuschrift geantwortet; auch diese Antwort liegt uns vor.
Lasst uns darüber sprechen – beim Grünen Stammtisch, 27. August 2026 im Pavillion am Bootshaus Dieksee
Beim nächsten Grünen Stammtisch am 27. August 2026, um 19:00 Uhr im Pavillon vom Bootshaus Malente, möchten wir die Verkehrssituation in Malente zum Schwerpunktthema machen:
- Was muss sich verändern?
- Welche Möglichkeiten gibt es?
- Und wie können wir Malente für alle sicherer und lebenswerter machen – zu Fuß, mit dem Rad und mit dem Auto?
Ein Brief an die Gemeinde
Betreff: Malente Autostadt? Eine Rückmeldung von Außen
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der lokalen Politik,
die letzten Tage habe ich im Rahmen eines Bildungsurlaubs in Ihrer Stadt Zeit verbracht. Dazu eine kurze Rückmeldung:
Die tolle Landschaft im Umfeld von Malente kann leider nicht darüber hinweg täuschen, dass ich mich, sobald ich in Ihrer Stadt unterwegs war, sehr unwohl gefühlt habe. Das Thema des Bildungsurlaubs sah es vor, dass man viel mit dem Fahrrad unterwegs ist. Und in Malente spielt das Fahrrad in der Verkehrsinfrastruktur gar keine Rolle.

So konnte ich in der Stadt nirgendwo auf Radwegen fahren. Kreuzungen sind in keinster Weise für Radfahrende markiert (z.B. gibt es keine sog. Aufstellflächen). Gehwege die für das Fahrrad freigegeben sind, sind oftmals zu eng und in einem sehr schlechten Zustand. Es gibt grundsätzlich nahezu nirgendwo Hinweise darauf, dass Fahrradverkehr stattfinden könnte. Und nur sehr wenige farbliche Markierungen sind zu sehen (gefährlich ist z.B. die Stelle an der Bahnhofstr. 7 – bei McDöner. Dort wird der „Radweg“ ohne jeglichen Hinweis für die Autofahrenden vom Gehweg auf die Straße geführt). Ich habe mich permanent unsicher gefühlt, da der Autoverkehr uns als Radfahrende nahezu von der Straße gedrückt hat.
So war es sehr gefährlich unsere Bildungsstätte an der Schweizer Straße (L174) zu verlassen. Unbegreiflich ist für mich, dass dort Autos 70 km/h fahren dürfen. Der sehr schmale und baulich schlechte Gehweg ist dort für Radfahrende freigegeben. Zufußgehende und Fahrradfahrende werden so gemeinsam an den Rand gedrückt und von schnellen Autos massiv gefährdet. Wirklich Irrsinn, da nicht wenige gar deutlich schneller als 70 km/h fuhren. Wenn schon kein baulicher Schutz für Fuß und Rad erfolgt, warum hier nicht zumindest 50 km/h oder gar 40 km/h? Das würde der Unübersichtlichkeit der Straße mehr Sorge tragen.
In Ihrer Innenstadt stehen den Autos auf der Bahnhofstr. insgesamt vier(!) Spuren zur Verfügung. Zwei zum fahren, zwei zum parken. Zufußgehende müssen sich den Rest gemeinsam teilen. Für Fahrradfahrende heißt das konkret, dass sie auf dem Gehweg Schrittgeschwindigkeit zu fahren haben, da es keinen echten Radweg gibt. Die gesamte Raumaufteilung macht die ganze Straße bzgl. der Aufenthaltsqualität sehr unsympathisch. Es ist eine Autodurchfahrstadt. Es ist laut, es ist zu schnell, es ist unsicher für alle anderen – nur nicht für die Menschen in den Autos. Aus meiner Sicht wäre die Bahnhofstr. eine ideale sog. Fahrradstraße. Der Autoverkehr würde verlangsamt, Radfahrende könnten die Straße entspannt und sicher nutzen, der Gehweg wird das, was er sein sollte – eine Flaniermeile für Zufußgehende, ohne Fahrradfahrende. Und ich denke, dass würde den Geschäften und Lokalen nicht schaden. Der sichtbar große Leerstand ist sicherlich auch eine Folge davon, dass bislang die Aufenthaltsqualität aus meiner Sicht gegen Null geht. Warum sollte man Zeit in einer Art Autohaus verbringen?
Ich habe drei Kinder. Unser Urlaub ist i.d.R. fahrradgeprägt. Würde ich in Malente Urlaub machen? Sicher nicht. Kinder können kein Auto fahren. Also keine sichere, selbständige Mobilität in Malente für Kinder möglich. Für ältere Menschen die nicht mehr Auto fahren können, oder Menschen die gar kein Auto haben, ebenso. Würde ich einen Besuch Malentes anderen empfehlen? Sicher nicht. Ich werde abraten, und sagen, dass sie z.B. direkt Eutin besuchen sollen, denn da kann man in der Stadt ohne Autos flanieren. Würde ich hier wohnen wollen? Nein. Ich müsste meine Kinder überall mit dem Auto bringen, ich selber mit dem Rad lebte zu gefährlich.
Ihre Stadt hat in meinen Augen soviel Potential. Und sicherlich ist eine Priorisierung des Rad- und Fußverkehrs nicht allein der zentrale Hebel für eine Attraktivitätssteigerung. Aber die Autodominanz Malentes ist einfach zu prägend.
Vielleicht können Sie mit diesem Blick von außen etwas anfangen. Es würde mich freuen.”